Die Ära Espel

Doris Espel, Schulleiterin von 2000 bis 2011, empfängt den Schlüssel für das neue Mensagebäude von Oberbürgermeister Stephan Weil

Angetreten mit ihrem Leitspruch „Ich möchte die Schillerschule so gestalten, dass man in ihr nicht nur das Richtige lernt, sondern sich dabei auch richtig wohl fühlt.“ hatte Frau Espel vom Frühjahr 2000 bis zum Sommer 2011 tief greifende bauliche Maßnahmen, schulpolitische Eingriffe und vor allem wichtige Veränderungen von Unterricht und Schulleben zu bewältigen.

Das schuleigene Sportaußengelände war wegen Dioxinbelastung von etwa 1990 bis 1994 gesperrt und daher auch nicht gepflegt worden. Nachdem andere Höchstwerte die Nutzung vorübergehend wieder ermöglicht hatten, wurden die Anlagen wegen mangelnder Pflege und Unfallgefahr im Jahre 2000 wieder gesperrt. Nur durch tatkräftigen Einsatz der Schülerschaft, von Lehrkräften und Eltern, insbesondere der damaligen Schulelternratsvorsitzenden Frau Terberger, gelang es 2004, das gesamte Sportgelände wieder zu öffnen.

Nachdem seit der Fertigstellung der Gebäude nur noch Schönheitsreparaturen wie Streichaktionen durch Lehrer, Eltern sowie Schülerinnen und Schülern durchgeführt worden waren, begann 2004 eine grundlegende und überfällige Sanierung aller Gebäudeteile, abgesehen vom Pavillon, in den wegen des maroden Zustandes  seitens der Stadt Hannover kein Geld mehr investiert werden sollte. Sichtbarster Ausdruck der Sanierung ist die im Norden von außen an den A-Trakt angebaute Feuertreppe. Ein rollstuhlgerechter Zugang zum Hauptgebäude wurde durch eine Rampe ermöglicht und alle Klassenräume wurden durch neue Elektrik und Fenster energetisch auf einen moderneren Stand gebracht. Während der Baumaßnahmen wurden die älteren Klassenstufen für ein Jahr in die Gebäude der ehemaligen OS Nackenberg ausgelagert. Mit Abschluss der Baumaßnahmen  konnten endlich wieder alle Schülerinnen und Schüler in der sanierten Schillerschule unter einem Dach lernen.

Das Logo der Schillerschule ab 2004, entworfen von der ehemaligen Schillerschülerin Monika Steinhoff

Nach weiteren 4 Jahren Überzeugungsarbeit entschied sich 2009 die Stadt Hannover endlich, den Pavillon durch einen als Passivhaus ausgelegten Neubau mit einer Mensa zu ersetzen. Die Umwandlung der Schillerschule in eine offene Ganztagsschule war dabei ein wichtiger Entscheidungsfaktor. Mit einem Sommerfest verabschiedeten wir uns froh gestimmt vom Pavillon. Der Unterricht wurde für die Zeit der Baumaßnahmen in 6 Containerräume auf dem Hof Nord verlagert. Abriss und Baubeginn waren erst 2010, der für den Neubau geplante Fertigstellungstermin November 2010 konnte nicht gehalten werden. Die feierliche Schlüsselübergabe durch den späteren Ministerpräsidenten und damaligen Oberbürgermeister Stephan Weil erfolgte aber noch in der Amtszeit von Frau Espel am 2. Mai 2011.

Das Cafeteriateam bestehend aus Eltern unter der Leitung von Herrn Martinsen war in die Planung der Küche und der Mensa einbezogen worden und konnte seitdem das bisherige Angebot erweitern und leckeres und gesundes Essen in einem schönen Ambiente anbieten. 6 helle Klassenräume mit modernster Technik und drei Ganztagsräume wurden geschaffen. Ein neu gestalteter Außenbereich lädt zu Sport, Spiel und zum Verweilen ein. Die Finanzierung der hier neu angelegten Sport- und Spielzonen erfolgte zu einem großen Teil mit Geldern, die der VFS im Rahmen eines Sponsorenlaufes eingeworben hatte. Somit konnte die gesamte Schulgemeinschaft die Stadt Hannover bei der Ausgestaltung des Freizeitbereiches wirksam unterstützen.

Das neue Mensagebäude im Herbst 2011

Die seit 2004 mit dem Regierungswechsel eingeleiteten schulpolitischen Veränderungen führten niedersachsenweit zu erheblichen Belastungen im Schulleben. Unter dem  Begriff „eigenverantwortliche Schule“ wurde eine Vielzahl von Verwaltungsarbeiten auf die Schulen übertragen. Gleichzeitig wurde die Kontrolle der Schulen durch Lernstandserhebungen, Vergleichsarbeiten und Schulinspektionen verstärkt. Als neues Gremium koordiniert seit 2007 ein Schulvorstand aus Schulleitung, Lehrkräften, Schüler- und Elternvertretern Finanzen, Entwicklungen und Projekte an der Schule. Die mit der eigenverantwortlichen Schule gewonnenen Spielräume nutzt die Schillerschule für die Schulentwicklung. Nach Erstellung eines ausführlichen Leitbildes und Schulprogramms wurde die Stundentafel den Erfordernissen des bilingualen Unterrichtes angepasst. Als neue Fächer waren ‚Darstellendes Spiel’ und ‚Spanisch’ schon früher eingeführt worden. Die Stundentafel 1 ermöglichte es nun außerdem, in den Klassen 7 bis 9 als neues Element das Fach ‚Profilunterricht’ anzubieten, in dem intensiver als im Fachunterricht Methodenschulung betrieben und projektorientiert in den Profilen „Forschen und Präsentieren“ (MINT Förderung), „Fünf Sinne – eine Welt“ (künstlerisch-musische Förderung) und „Spanisch Aktiv“ gelernt wird.

 

Bei der Fortbildung der Lehrkräfte stand die Modernisierung und Schülerorientierung des Unterrichtes im Vordergrund. Zur Realisierung dieser modernen Unterrichtsmethoden wurde der Stundenplan in Doppelstunden organisiert. Für die Unter- und Mittelstufe konnten nach der neuen Taktung eine feste Mittagspause eingeplant und ein Ganztagskonzept entwickelt werden.

Zur Stärkung des sozialen Miteinanders wurden die Klassenleitungen als Zweierteam besetzt, die Position der Beratungslehrerkraft wurde gestärkt und eine Schulordnung als Leitfaden zur Lösung von Konflikten verabschiedet. Die Ausbildung von Streitschlichtern war für die Konfliktvermeidung sehr hilfreich.

Eltern- und Schülerschaft wurden intensiv in die programmatische Arbeit der Schule einbezogen, was sich förderlich auf die inhaltlichen Entscheidungen auswirkte und das Schulklima sehr positiv beeinflusste.

Veranstaltung der 5. Klassen an der Waldbühne 2011, im Hintergrund das Mensagebäude noch mit Gerüst.

Im Jahre 2004 wurden wegen der Abschaffung der Orientierungsstufe 350 Schülerinnen und Schüler der Klassen 5, 6 und 7 gleichzeitig eingeschult, wobei die Klasse 6 die Jahrgangsstufe war, die mit mehr Unterricht in der Mittelstufe als erste nach nur 8 Jahren im Gymnasium zeitgleich mit den Schülerinnen und Schülern des Jahrganges 7 Abitur machen sollte. Dieses „Doppelabitur“ mit 186 Abiturienten im Jahr 2011 war eine große organisatorische Herausforderung, die schließlich sowohl seitens des Kollegiums als auch der Abiturientinnen und Abiturienten sehr gut gemeistert wurde. Im Ergebnis gab es weder bei uns noch landesweit nennenswerte Unterschiede in den Durchschnittsleistungen zwischen den beiden Jahrgängen.

Durch die zurück gekehrten Jahrgangsstufen 5 und 6, die insgesamt erhöhte Klassenfrequenz, die sehr gute Anwahl der Schule und die letztmalige Anwesenheit des 13. Jahrganges beherbergte die Schillerschule im Schuljahr 2010/2011 die sehr große Anzahl von über 1000 Schülerinnen und Schülern in ihren Gebäuden.

Schließlich ist als einschneidende schulpolitische Änderung noch die Oberstufenreform mit der Einführung eines 5. Prüfungsfaches und von Profilen (mathematisch-naturwissenschaftlich, sprachlich, gesellschaftswissenschaftlich, musisch-künstlerisch und sportlich) zu nennen, in denen bestimmte Fächerkombinationen verpflichtend sind. Der Schillerschule gelang es, alle Profile, außer dem sportlichen, für die Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen. Neu eingeführt wurde auch das Seminarfach, das von den Schulen inhaltlich in eigener Verantwortung ausgestaltet werden konnte. Als Besonderheit in Niedersachsen führte unsere Schule hier ein Sozialprojekt ein, das mit Genehmigung des Kultusministeriums auch für das Abiturzeugnis relevant wurde.

Nachdem seit 2001 der bilinguale Unterricht in der Oberstufe fortgeführt wurde, begannen wir 2010 mit Unterricht, der zu einem international anerkannten Abschluss, dem „International Baccalaureate“ (IB) führt und mit einer Gesamtprüfung (IB-Diploma) oder Teilprüfung (IB-Certificate) abgeschlossen wird. Die Prüfung wird weltweit nach gleichen Standards und mit identischen Aufgaben in englischer Sprache durchgeführt. Besonders engagierte und leistungsstarke Schüler erwerben damit international anerkannte Abschlüsse. Die Schillerschule bietet als einziges niedersächsisches Gymnasium dieses zukunftsweisende Angebot als Zusatz zum Abitur an.

Schüler des Jahrganges 11 zeigen Schülern des 6. Jahrganges die Nutzung von Smartboards im Mathematikunterricht

Mit Beginn des Schuljahres 2000/2001 hat sich die Schillerschule am Projekt Formel X des Niedersächsischen Kultusministeriums beteiligt. Dies bedeutet eine Zusammenarbeit der Fächer Mathematik, Physik, Chemie und Biologie sowie die Öffnung des Unterrichts für anwendungsorientierte Fragestellungen und außerschulische Lernorte. Die Schüler können somit frühzeitig einen Einblick in den Hochschul- und Betriebsalltag gewinnen und auf diesem Wege leichter eigene berufliche Perspektiven entwickeln. In der Region Hannover hat die Schillerschule 2003 diesen Wettbewerb wegen des überzeugenden Konzepts  gewonnen. Dieses Formel X Projekt wirkt auch noch heute, lange nach seiner öffentlichen Belobigung, weitreichend und förderlich in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich der Schule ein. Im Jahre 2007 wurden wir als „Umweltschule in Europa“ ausgezeichnet. Das entspricht einem Gütesiegel für nachhaltige und zukunftsorientierte Projekte im Unterricht.

Im Jahr 2000 wurde der Schulchor wieder ins Leben gerufen, 2003 das Orchester. Dadurch wurden 2004 die Aufführung des Musicals „Der kleine Horrorladen“, 2008 die konzertante Aufführung des „Jazz-Magnificats“ und weitere Kammerkonzerte ermöglicht. Ab 2005 konnte das musikalische Angebot durch eine Bläserklasse in den Jahrgängen 5 und 6 erweitert werden. Inzwischen sind diese jungen Bläser soweit herangewachsen, dass sie in einer leistungsstarken Big-Band zusammen musizieren können.

Neben den musikalischen Angeboten gewann durch das Fach „Darstellendes Spiel“ auch das Theater zunehmend an Bedeutung an der Schillerschule. Theater-Arbeitsgemeinschaften führten Stücke in deutscher und in englischer Sprache auf. Über die Schulgemeinschaft hinaus nahmen die Ensembles an verschiedenen Projekten und Festivals mit großem Erfolg teil. Auch das Fach Kunst konnte mit Projekten innerhalb und außerhalb der Schule seinen Stellenwert für den musisch-künstlerischen Bereich erfolgreich stärken.

Schüleraustausche mit La Guyane, Frankreich und Spanien rückten die Bedeutung der Sprachen in den Fokus, Sprachenfahrten in Jg.9 wurden schließlich verbindlich in das Schulprogramm aufgenommen.

Ein besonderer Höhepunkt war das 50jährige Jubiläum der Schillerschule, das mit einem Festakt, einer Festschrift, einem Ball im Kuppelsaal des HCC und dem Musical „Little Shop of Horrors“ gefeiert wurden. Auch die Ehemaligen wurden zu einer Jubiläumsveranstaltung eingeladen und nahmen regen Anteil an der Entwicklung ihrer „alten“ Schule.

Die andere Besonderheit war die Schulinspektion, bei der Unterrichtsbedingungen und Schulleben mit allen Facetten von zwei Inspektoren durchleuchtet wurden. Der Schule wurde insgesamt ein erfreulich positives Ergebnis bescheinigt. Die Schillerschule entwickelte sich unter der Leitung von Frau Espel zu einem sehr gefragten Gymnasium in Hannover.

Für diese außergewöhnlichen Leistungen, ihre konstruktive, orientierende und immer fürsorgliche Leitung dankte die Schulgemeinschaft Frau Espel im Sommer 2011 mit einem fulminanten Abschied. Auch sie konnte direkt, ohne Interimslösung, den Staffelstab einer wohlbestellten Einrichtung an ihre Nachfolgerin Frau Günther weitergeben.

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