Das neue Schulgebäude

Am 6. August 1958 erfolgte in Kleefeld der erste Spatenstich. Lange vorher hatte ein von der Gesamtkonferenz eingesetzter Ausschuss die letzten Neubauten von Gymnasien, Leibnizschule und Tellkampfschule, besichtigt und danach die Wünsche der Schillerschule dem Schulamt und dem Bauamt übermittelt. Umso enttäuschter war die Schulgemeinschaft, als ihr die genehmigten Pläne vorgelegt wurden, die hinsichtlich des Raumprogramms für die naturwissenschaftlichen Fächer und für den Verwaltungstrakt den Wünschen in keiner Weise entsprachen. Es bedurfte langer Verhandlungen, um Fehlplanungen einigermaßen zu korrigieren.

Inmitten beneidenswert großflächiger Grünanlagen entstand in – so würde man heute sagen – Ressourcen schonender Bauweise ein großzügiger, Licht durchfluteter Gebäudekomplex mit den für die 50er Jahre typischen großen Glasflächen, die sich Energiesparmaßnahmen heute hartnäckig entgegenstemmen. Es wurden ein Trakt mit Fachräumen (A), 2 Klassentrakte (B und D), 2 Sporthallen, ein Verwaltungstrakt (C) und eine alles verbindende Pausenhalle gebaut. Zu den Fachräumen im A-Trakt gehörten ein Raum für Nadelarbeit und einer für Werken, damals Pflichtfächer für Mädchen beziehungsweise Jungen. Ganz bewusst hat der Architekt die Musikräume ganz oben im A-Trakt platziert, war es doch seine Absicht „die Musiksäle als Gegengeräuschquelle dem Bahngleis gegenüberzusetzen“!

Bauarbeiten mit Holzgerüst am D-Trakt
Haupteingang und A-Trakt 1960
Schulgelände und Gebäude zur Zeit der Erbauung

Nach den Vorstellungen des Architekten Ihlefeld bildet die Pausenhalle durch Schmuckelemente aus der europäischen Geistesgeschichte einen Kontrast zu den eher funktionell-schlichten Gebäuden. Im rauen Gestein des Fußbodens sind Mosaike eingelassen, am Haupteingang ein verfremdetes Alpha und am Durchgang zum A-Trakt ein Omega, was symbolisieren soll, dass das Lernen von Anfang bis Ende des menschlichen Lebens währt, außerdem eine schräg gestellte ionische Säule mit einem germanischen Feuerrad. Darüber erhebt sich ein damals avantgardistisches asymmetrisches Dach, das an eine germanische Thinghalle erinnern soll. Mit Blick auf den Cafeteriabereich sieht man unter dem Dach der Pausenhalle eine Arbeit des Kunst-Leistungskurses 1988 von Kunstlehrer Koord-Harm Gerdes: Ikarus stürzt ins Meer, als er mit seinen durch Wachs zusammengehaltenen Flügeln der Sonne zu nahe kommt. Weitere Arbeiten von Gerdes-Kunstkursen sind die Schillerdarstellung am Durchgang zum Verwaltungstrakt, die Sportsequenzen im Gang zu den Sporthallen sowie Türen aus dem Pavillon, die jetzt den B-Trakt verzieren.

Blick in die Pausenhalle mit Motto an der Wand links, ‚Ikarus’ und der Cafeteria im Hintergrund

SO HOCH GESTELLT IST KEINER AUF DER ERDE,
DASS ICH MICH SELBER NEBEN IHM VERACHTE.

Das Motto der Schillerschule, entlehnt aus Friedrich Schillers „Wallensteins Tod“, wurde 1964 anlässlich des 10-jährigen Jubiläums an der Seitenwand der Halle angebracht. Bemerkenswert ist, dass der Sinnspruch nicht nur inhaltlich Bestand hat, sondern auch in einer Rechtschreibung verfasst wurde, die seit 1996 wieder gültig ist.

Bei der feierlichen Einweihung am 22. August 1960, die wegen des anhaltend schlechten Wetters im Hause stattfinden musste, fanden neben den zahlreichen Gästen und dem Kollegium mit Ehepartnern alle 900 Schülerinnen und Schüler in der großen Pausenhalle und im Gang neben der Cafeteria Platz. Stadtschulrat Professor Oppermann übergab Herrn Böttcher „eines der schönsten Schulgebäude Hannovers“, wie man auch heute noch bestätigen kann.

Architektonisch ist das Aulagebäude eine Besonderheit, da der Architekt des Stadtbauamtes Dr. Müller-Hoeppe hier die Gestaltung des kaiserlichen Thronsaales in Addis Abeba aufgegriffen hat: Von der Schule kommend geht man ebenerdig an den Umkleiden für die Akteure, die einen direkten Aufgang zur Bühne haben, vorbei durch ein Foyer, steigt dann ein paar Stufen und hat nach einer 180° Drehung die ganze Aula mit ursprünglich 478 Plätzen und mit der Bühne im Hintergrund vor sich – genial. Als Kuriosum sei erwähnt, dass der Eingang nachträglich erweitert werden musste, um den von der Elternschaft gespendeten Flügel hineintransportieren zu können. So ist die Aula zu „Flügeltüren“ gekommen. Am 6. Dezember 1961 wurde in einer Feierstunde die Aula als letzter Bauabschnitt eingeweiht.

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