Die Entwicklung der Schillerschule in den 60er, 70er und 80er Jahren

Der Unterricht wurde nach den Stundentafeln des Niedersächsischen Kultusministers für Oberschulen in Niedersachsen erteilt. Nachdem die ab Schuljahr 1955/56 von Klasse 9 aufwärts vorgesehene Gabelung in einen sprachlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig mit Zustimmung der Eltern nach Klasse 11 verschoben worden war, wurden 1957 nach der Stundentafel für das neusprachliche und mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium in Langform die Unter- und Mittelstufe für beide Zweige angeglichen. Die Unterscheidung begann erst mit Klasse 11. In beiden Zweigen war für die Klassen 5 bis 13 eine Gesamtstundenzahl von 269 vorgesehen.

Im neusprachlichen Zweig wurden die Naturwissenschaften nach der 11. Klasse beendet und Mathematik mit der Vorreifeprüfung Ende Klasse 12 abgeschlossen. Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig wurde Englisch nach der 10. Klasse beendet und Französisch bzw. Latein mit der Vorreifeprüfung Ende Klasse 12 abgeschlossen. Dies sollte der vertieften Konzentration der Schüler auf die für ihren jeweiligen Zweig zentralen Fächer dienen. In beiden Zweigen wurde 1962 die Gesamtstundenzahl für die Klassen 5 bis 13 auf 284 erhöht. In dieser Zahl waren Nadelarbeit für Mädchen und Werken für Jungen für die Klassen 5 bis 8 als Pflichtfach enthalten. Für beide Fächer gab es im A-Trakt Fachräume. Außerdem wurde 1962 der Beginn der Wahlsprache von Klasse 10 auf Klasse 9 vorgezogen.

Besonders erfolgreich war die Schillerschule mit dem Realschul-Aufbauzug. Zu Beginn der Klasse 11 wurden Schüler von Realschulen in einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse MR zusammengefasst. Sorgfalt, Fleiß und Ausdauer dieser Schüler führten nach drei Jahren zu guten Ergebnissen in der Reifeprüfung, obwohl die Schüler wegen der unterschiedlichen Rahmenrichtlinien für Gymnasien und Realschulen in verschiedenen Fächern erhebliche Defizite hatten.

Ab Ostern 1965 wurden in die Klasse 5 der Eingangsstufe ohne einen einwöchigen Probeunterricht alle die Kinder aufgenommen, die von der Grundschule aufgrund ihres Leistungsbildes empfohlen worden waren. Zusätzlich wurden die Kinder ohne entsprechende Empfehlung aufgrund des Elternwillens aufgenommen, die sich in einem zweitägigen Aufnahmeverfahren bewährt hatten. In den Klassen 5 wurde Förderunterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch angeboten.

Von 1960 bis 1966 blieb die Schülerzahl mit durchschnittlich knapp über 900 konstant, stieg dann aber auf 1121 im Schuljahr 1968/69 an, was zu erheblicher räumlicher Enge in Klassen- und Lehrerzimmern führte, da die Schule eigentlich nur für 800 Schüler ausgelegt war. 10 Klassen mit etwa 350 Schülern aus der Heidesiedlung, Buchholz und Misburg wurden daher in eine Zweigstelle in der ‚Volksschule Lüneburger Damm’ ausgelagert.

Der „Schülerberg“ der geburtenstarken 50er Jahre und die Raumnot waren zwei der Probleme, die Herr Teille zu Beginn seiner Amtszeit bewältigen musste. Ein drittes kam hinzu: Die 70er Jahre waren durch Lehrermangel geprägt. Ein höherer Unterrichtsausfall als etwa 15% konnte nur durch Klassenstärken von bis zu 38 Schülerinnen und Schülern in den Jahrgängen 5 bis 10 und die Einstellung von Hilfskräften wie Pastoren, Pensionären, Lehramtsstudenten oder Akademikern ohne pädagogische Ausbildung vermieden werden.

Oberstudiendirektor Hanns Teille, Schulleiter von 1971 bis 1987

Um die Raumnot „für 10 Jahre“ zu lindern, wurde 1971 auf dem Kieselrotplatz des Sportgeländes ein „Pavillon“ aus Holz mit 9 Klassenräumen errichtet. Infolge des Bevölkerungszuwachses im Einzugsgebiet führte auch die Eröffnung der IGS Roderbruch 1973 nicht zu einem Rückgang der Schülerzahlen an der Schillerschule, sondern sie erhöhten sich weiterhin und erreichten im Schuljahr 1974/75 mit 1683 Schülerinnen und Schülern ihren Höchststand. Davon wurden 1091 Schüler in 39 Klassen an der Stammschule in der Ebellstraße und 592 Schüler in 17 Klassen an der Zweigstelle Lüneburger Damm unterrichtet. Die Schillerschule war damit das zweitgrößte Gymnasium in Niedersachsen. Aus der Zweigstelle entwickelte sich im Schuljahr 1975/76 das heutige Kurt-Schwitters-Gymnasium. 1978/79 hatte das Gebäude in der Ebellstraße mit 1147 Schülern in 42 Klassen die höchste Schülerzahl zu bewältigen.

Darüber hinaus bewirkten seit der Bildung der Großen Koalition 1966, den daran anknüpfenden Studentenprotesten und den Rote-Punkt-Aktionen gegen Fahrpreiserhöhungen in Hannover außerschulische Ereignisse eine Veränderung des Verhaltens der Schülerschaft. Unterrichtsinhalte und -methoden wurden nicht mehr widerspruchslos akzeptiert und traditionelle Veranstaltungen wie eine Abi-Entlassungsfeier oder ein Abi-Ball wurden abgelehnt und fanden, nicht nur in der Schillerschule, mehrere Jahre lang nicht mehr statt. Die Unterrichtsmethodik änderte sich seit dieser Zeit vom Frontalunterricht mit Lehrervortag zum schülerorientierten Unterrichtsgespräch sowie in den Naturwissenschaften zu Schülerübungen.

1969 wurde im A-Trakt ein damals hochmodernes Sprachlabor mit 36 Tonband-Arbeitsplätzen eingerichtet, das dank intensiver Pflege durch den Kollegen Dirk-Jochen Lorenz mit geringfügigen Modernisierungen bis 2003 genutzt wurde, als es durch ein „globales Kommunikationszentrum auf digitaler Basis“, den zweiten Computerraum, ersetzt wurde. Zu den nennenswerten Umbauten Mitte der 70er Jahre gehört die Sanierung des A-Traktes mit Brandschutztüren, Notausstiegsfenstern für das Anleitern der Feuerwehr und Notrufeinrichtungen. Außerdem wurden für die drei Naturwissenschaften Übungsräume mit Energiesäulen eingerichtet. Anfang der 80er Jahre wurden die Unterrichtsräume 50 und 51 im D-Trakt umgebaut. Es entstanden Räume für die Schulassistentin und für drei Koordinatoren. Ein Informatikraum mit 8 Apple IIe ermöglichte ab 1986 Informatikunterricht für die Jahrgänge 11 und 12.

Der Haupteingang 1980, noch ohne Bepflanzung, Geländer und Rampe

Nach mehreren Änderungen in den „Stundentafeln“, durch die vom Kultusministerium die in den einzelnen Fächern zu erteilenden Unterrichtsstunden festgelegt werden, gab es eine einschneidende Reform der Oberstufe. Denn 1972 einigten sich die Kultusminister auf die „Vereinbarung zur Neugestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II“, die Oberstufenreform: Sie war eine Änderung für den Oberstufenunterricht und das Abitur in ganz Westdeutschland. An der Schillerschule gab es 1978 die letzte Reifeprüfung mit dem Abschlusszeugnis „Zeugnis der Reife“. 1975/76 begannen die 11. Klassen mit dem Vorsemester, dann folgten vier Semester in der Kursstufe und 1979 ein Prüfungssemester mit den Abiturprüfungen in vier Prüfungsfächern, davon eines nur mündlich. Als Abschlusszeugnis erhielten die Abiturienten das „Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife“.

Die Vereinbarung von 1972 entschied sich gegen die nur thematische Differenzierung, wie sie z.B. das Buxtehuder Modell vorsah. Alle Fächer waren gleichberechtigt und wurden in Aufgabenfeldern gruppiert: das sprachlich-literarisch-künstlerische (A), das gesellschaftswissenschaftliche (B) und das mathematisch-naturwissenschaftliche (C). Sport wurde keinem Aufgabenfeld zugeordnet. Damit wurden die traditionellen Zweige (neusprachlich oder mathematisch-naturwissenschaftlich) aufgelöst zugunsten individueller Wahlmöglichkeiten der Schüler, die ein Vielfaches an Kombinationen von Prüfungsfächern und weiteren Grundkursfächern ermöglichte. Eine zu große Einseitigkeit in der Fächerwahl wurde durch Auflagen an die Prüfungsfächer und an die weiteren Fächer vermieden.

In Oberstufenjahrgängen mit mehr als 100 Schülern konnte die Schule den Schülern auch ein entsprechendes Kursangebot bieten. Schwierigkeiten ergaben sich nicht nur für die Schillerschule bei zahlenmäßig kleinen Jahrgängen. Für ein angemessenes Kursangebot mussten auch jahrgangsübergreifende Kurse gebildet sowie Leistungs- und Grundkurse kombiniert werden. Es fanden auch Kurse in Kooperation mit anderen Schulen, beispielsweise dem Kurt-Schwitters-Gymnasium in Misburg, statt, wegen der organisatorischen Zwänge teilweise auch nachmittags.

In den 70er Jahren wurden Modelle zur Praxis- und Berufsorientierung diskutiert und erprobt. Durch das Engagement des Kollegen Hartmut Schulz-Warber hatte die Schillerschule in den Klassen 9 und 10 im Fach Sozialkunde, Gemeinschaftskunde oder Politik über Jahre eine Vorreiterrolle. Das erste zweiwöchige gymnasiale Betriebspraktikum in Hannover wurde 1971 mit einer Klasse 13 der Schillerschule als Modellversuch durchgeführt. Inzwischen findet es als verpflichtender Teil der gymnasialen Ausbildung in allen Gymnasien statt und ist an den Unterricht im Fach Politik-Wirtschaft angegliedert. Es wird durch einen umfangreichen Praktikumsbericht dokumentiert und reflektiert. Auf Initiative der Kollegin Renate Walljes hin wird das Betriebspraktikum an unserer Schule seit 2002 durch ein einwöchiges Sozialpraktikum in Klasse 9 ergänzt, über das die Schüler ebenfalls einen Bericht anfertigen.

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