Ziele

Ziel des katholischen Religionsunterrichts ist es, zu verantwortlichem Denken und Verhalten im Hinblick auf Religion und Glaube zu befähigen. Damit trägt er zur Identitätsbildung und zur Entwicklung von Dialogfähigkeit bei. Diese Zielsetzung schließt die Hinführung zu einer konkret erfahrbaren und anschaulichen religiösen Lebenswelt ebenso ein wie die Erziehung zur Kommunikationsfähigkeit über die eigene regionale Kultur hinaus und zur Anerkennung der Andersheit des anderen.

Der katholische Religionsunterricht befähigt,

– religiöse Phänomene methodisch kompetent zu erschließen

– menschliche Grunderfahrungen in ihrer Offenheit auf Gott hin zu reflektieren und zu deuten

– ein vertieftes Verständnis des katholischen Glaubens zu erwerben und sich in der Vielfalt heutiger Denk- und Glaubensrichtungen zu orientieren

– vom katholischen Glauben aus mit anderen christlichen Konfessionen und fremden Religionen und Weltanschauungen in einen Dialog zu treten, Differenzen zu erkennen und einen reflektierten Umgang mit ihnen zu lernen sowie neue Einsichten zu gewinnen

– durch eine kritische Sichtung weltanschaulicher, religiöser und christlicher Werte und Normen zu begründeten persönlichen Entscheidungen bzw. zum Bekenntnis und entsprechender Lebensgestaltung zu gelangen.

Das Ziel, zu einer begründeten persönlichen Entscheidung in Glaubens- und Lebensfragen zu gelangen, erfordert einen Religionsunterricht, der den Glauben der Kirche auf einer für prinzipiell jeden zugänglichen Vernunftebene erschließt. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, dass „die Wahrheit, die aus der Offenbarung stammt, gleichzeitig eine Wahrheit ist, die im Lichte der Vernunft verstanden werden muss“ (Enzyklika Fides et ratio, Nr. 35). Die wesentliche Bezugswissenschaft des Religionsunterrichts ist die Theologie.

Eine zentrale Aufgabe des katholischen Religionsunterrichts ist – gerade unter den Bedingungen religiöser und weltanschaulicher Pluralität – die Förderung von Urteils- und Argumentationsfähigkeit in religiösen Fragen.

Im katholischen Religionsunterricht wird wissenschaftspropädeutisches Arbeiten gestärkt, verstanden als ein besonders akzentuiertes wissenschaftsorientiertes Lernen. Es ist gekennzeichnet durch

– das Lernen fundamentalen Wissens (theologisches Grundwissen)

– das Lernen exemplarischen Wissens (Exempla, die theologische Denkstrukturen verdeutlichen)

– das Lernen von Methodenwissen (u. a. hermeneutische und empirische Verfahrensweisen, Methoden der Schriftauslegung, religiöse Sprache und Sprache der Theologie).

Der katholische Religionsunterricht erschließt den Glauben im Dialog mit den Erfahrungen und Fragen der Schülerinnen und Schüler, mit dem Wissen und den Erkenntnissen anderer Fächer, mit den gegenwärtigen Fragen der Lebens- und Weltgestaltung und mit den Positionen anderer Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen. Die dialogische Erschließung erfordert von allen am Unterrichtsgeschehen Beteiligten die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigene Perspektive als begrenzte zu erkennen, aus der Perspektive anderer sehen zu lernen und neue Perspektiven dazu zu gewinnen. Perspektivenübernahme ist ein didaktisches Grundprinzip des Religionsunterrichts und eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung religiöser Dialogfähigkeit.

Im katholischen Religionsunterricht werden die religiöse Dialog- und Urteilsfähigkeit und die Entwicklung einer „starken Toleranz“ gefördert, die andere mit ihren Überzeugungen ernst nimmt.

Damit ist das Fach Katholische Religionslehre von wesentlicher Bedeutung für eine vertiefte Allgemeinbildung, für die Studierfähigkeit und die Entfaltung der Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler.

Vgl. EPA Kath. Religionslehre in der von Kirche und Staat genehmigten Fassung (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 1.12.1989 i. d. F. vom 16.11.2006)